26.12.2018Keine Bombe in Oranienburg, aber allein vier in Potsdam | Nr. 134/2018

Potsdam – In diesem Jahr wurden allein im Stadtgebiet Potsdam vier Bomben entschärft. Eine fünfte Bombe wurde in der Döberitzer Heide gefunden und gesprengt. In Oranienburg hingegen mussten die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes (KMBD) in diesem Jahr bisher nicht zum Entschärfen von Bomben anrücken. Der KMBD blickt auf ein unfallfreies Jahr zurück. Allerdings hielten die großen Waldbrände auch ihn gehörig in Trab. 296 Tonnen Kampfmittel wurden in diesem Jahr in Brandenburg gefunden, darunter zahlreiche Weltkriegsbomben. 12,4 Millionen Euro wurden vom Land ausgegeben (Stand Ende November 2018).

Innenminister Karl-Heinz Schröter: „Allein vier Evakuierungen waren in diesem Jahr in Potsdam nötig, dafür keine in Oranienburg. Zudem brachten auch die Waldbrände im Sommer den KMBD an seine Grenzen, denn viele der brennenden Flächen waren mit Kampfmitteln belastet. Umso dankbarer bin ich, dass in diesem Jahr alles gut gegangen ist. Ich danke den Spezialisten beim Kampfmittelbeseitigungsdienst, aber auch allen Verantwortlichen in den betroffenen Kommunen. Danke auch an die vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich bei den Evakuierungen diszipliniert verhalten haben. Bombenfunde werden uns auch in Zukunft nicht erspart bleiben, darauf müssen wir uns einstellen. Der Krieg hat einen langen Atem. Er kann auch über 70 Jahre nach seinem Ende noch immer töten.“

Trotz großer Anstrengungen weist Brandenburg immer noch den höchsten Anteil an munitionsbelasteten Gebieten aller Bundesländer auf. Neben den militärisch genutzten Flächen oder Konversionsflächen stehen immer noch 350.000 Hektar zivil genutzter Fläche unter Kampfmittelverdacht. Lokale Schwerpunkte bilden nach wie vor Oranienburg, Potsdam, die Oder-Neiße-Linie oder der Bereich südlich Berlins.

Hier einige Einsätze des Jahres 2018:

Im Juli 2018 wurde bei einer geplanten Absuche im Nuthepark gegenüber dem Potsdamer Hauptbahnhof eine 250 Kilogramm Sprengbombe britischer Bauart entschärft. Es handelte sich um den vierten Fund einer Großbombe auf diesem Geländeabschnitt seit 2014. Im Bereich des ehemaligen Straßenbahndepots an der Heinrich-Mann-Allee wurde im August 2018 eine 250 Kilogramm Sprengbombe britischer Bauart gesprengt sowie im September eine 250 Kilogramm Sprengbombe britischer und im Oktober 2018 eine 250 Kilogramm Sprengbombe amerikanischer Herkunft erfolgreich entschärft. Eine weitere Bombe wurde in der Döberitzer Heide gefunden und gesprengt.

Im Bereich der Autobahnbrücke (BAB 10) - Sacrow-Paretzer-Kanal wurden im Laufe des Jahres 2018 im Rahmen einer Flächenabsuche des Kanals bereits elf 50 Kilogramm Brandbomben, sowie zwei 250 Kilogramm Brandbomben geborgen. Seit April 2016 wurden dort bisher insgesamt 34 Bomben ab 50 Kilo gefunden. Seit 1991 sind in Potsdam über 190 Großbomben (Stand 30.11.2018) erfolgreich entschärft bzw. gesprengt worden.

Der heiße Sommer 2018 mit seiner langen Trockenperiode führte zu zahlreichen Waldbränden in Brandenburg. Viele der betroffenen Waldflächen stehen unter Kampfmittelverdacht. Als Brandursache konnten verrostete Handwaffenmunition oder andere Kampfmittel mit Phosphorfüllung daher nicht ausgeschlossen werden. So wurde der KMBD hinzugezogen. Besonders die Waldbrände bei Treuenbrietzen und Lieberose führten auch den KMBD an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

2018 wurde die Kampfmittelsuche in Oranienburg, wie in den Jahren zuvor, mit Nachdruck fortgeführt. Eine Sprengung mit Evakuierung war in diesem Jahr allerdings nicht notwendig. Bundesweit ist keine Region bekannt, in der so konzentriert amerikanische Bomben mit chemisch wirkenden Langzeitzündern abgeworfen worden sind. Da diese Bomben aufgrund ihrer Beschaffenheit auch ohne äußere Einwirkungen unkontrolliert detonieren können, stellen sie eine besondere Gefahr dar. Die Bomben liegen häufig mehrere Meter tief im Grundwasser, auch unter Gebäuden, zwischen alten Gebäudeteilen und in unterschiedlichsten Altlasten. Suche und Bergung sind daher nicht nur anspruchsvoll sondern zugleich auch kostenaufwändig. Der KMBD arbeitet zudem unentwegt an neuen Methoden der Entschärfung und Vermeidung bzw. Minimierung von Sprengschäden. Seit 1991 sind in Oranienburg mehr als 200 Großbomben erfolgreich entschärft bzw. gesprengt worden.

Der KMBD hat 2018 in den zurückliegenden elf Monaten über 4.500 Anfragen von Grundstückseigentümern auf Kampfmittelbelastung bearbeitet und wurde zudem im Rahmen der Gefahrenabwehr rund 1.700 Mal zu einem Kampfmittelfund gerufen. Außerdem beauftragte er über 240 Kampfmittelräumungen für landeseigene, kommunale und private Liegenschaften. Im Ergebnis wurden im Land insgesamt 296 Tonnen Kampfmittel gefunden und fachgerecht vernichtet. Im Ergebnis der Kampfmittelräumungen oder aufgrund der fachlichen Einschätzung durch den KMBD konnten so 2018 bis Ende November rund 900 Hektar aus dem Kampfmittelverdacht entlassen werden.

Was wurde 2018 im Land gefunden und wieviel wurde vernichtet?

  • rund 296 Tonnen Kampfmittel wurden gefunden, darunter u. a. ca.
    • 3.200 Stück Nahkampfmittel
    • 150 Stück Minen
    • 31.000 Stück Granaten
    • 4.400 Stück Brandbomben
    • 240 Stück Sprengbomben über 5 kg
    • 1.100 Stück Panzerabwehrraketen/ Raketen
    • 1.300 Stück Waffen/Waffenteile
    • 920.000 Stück Handwaffenmunition
  • rund 376 Tonnen Kampfmittel wurden bislang 2018 fachgerecht vernichtet.   

Download der Pressemitteilung als PDF-Datei:
Keine Bombe in Oranienburg, aber allein vier in Potsdam

Verantwortlich: Ingo Decker

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