09.06.2013Hochwasserlage im Nordwesten spitzt sich nochmals zu | Nr. 054/2013

Potsdam – Die Hochwasserlage im Nordwesten Brandenburgs hat sich heute nochmals zugespitzt. Nach erheblichen Problemen am Elbdeich bei Fischbeck (Landkreis Stendal) im benachbarten Sachsen-Anhalt löste auch der Landkreis Havelland Katastrophenalarm aus, wie das das Koordinierungszentrum Krisenmanagement in Potsdam mitteilte. Im Landkreis Prignitz, wo ebenfalls Katastrophenalarm gilt, bereiteten sich die Einsatzkräfte auf den Scheitelpunkt des Hochwassers vor. Der Wasserstand wird dabei in Wittenberge eine zuvor nie gesehene Höhe erreichen. Die Einsatzkräfte wurden wiederholt durch Schaulustige behindert. Um die Bewegungsfreiheit der Kräfte zu sichern, drohte Innenminister Dietmar Woidke mit polizeilichen Maßnahmen, falls sich die Betreffenden nicht umgehend aus dem Einsatzraum entfernen.

Zur Kappung des Hochwasserscheitels der Elbe wurde am Mittag bei Quitzöbel ein Wehr an der Havelmündung in die Elbe geöffnet und mit der Flutung der dahinter liegenden Polderflächen begonnen. Im Süden Brandenburgs sanken die Pegel weiter, jedoch kann an der Elbe in Mühlberg noch nicht von Entspannung gesprochen werden. Landesweit kämpften heute mehr als 2.600 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk (THW), Hilfsorganisationen, Bundeswehr und Polizei sowie freiwillige Helfer gegen die Fluten.

Allein in der Prignitz waren rund 1.600 Menschen in der Hochwasserbekämpfung im Einsatz, für die auch eine Versorgungseinheit des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz war. Der Hochwasserstab des Landkreises rief bereits gestern die Bewohner der südlichen Stadtteile von Wittenberge auf, ihre Wohnungen im Interesse ihrer eigenen Sicherheit zu verlassen. Innenminister Woidke erörterte die Lage am heutigen Morgen mit dem Hochwasserstab und besuchte anschließend Brennpunkte der Hochwasserabwehr. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck informierte sich im Nordwesten über die Maßnahmen gegen das Hochwasser.

Bei Fischbeck eilte am Nachmittag die Brandschutzeinheit Havelland mit 167 Feuerwehrleuten den sachsen-anhaltinischen Kräften zu Hilfe. Mit Luftunterstützung gelang es zunächst, den Deich zu sichern. Zur Unterstützung der Kräfte wurden zusätzlich die Brandschutzeinheiten Oberhavel und Spree-Neiße in die Region beordert. Als Reserve wurde die Brandschutzeinheit Märkisch Oderland angefordert. Eine Verpflegungsgruppe der Johanniter und ein Gerätewagen Sanität (GW San) des Deutschen Roten Kreuzes begleiten den Einsatz. Bei einem Deichbruch bei Fischbeck droht eine Überflutung von Teilen des Havellandes bis nach Rathenow. Das Amt Milower Land empfahl den Bürgern, das Gebiet zur eigenen Sicherheit zu verlassen. Vieh wurde aus der Gefahrenzone auf höher gelegene Flächen getrieben

Bereits in der Nacht zu heute konnten Einsatzkräfte aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit Unterstützung von Bundeswehr und Polizei eine Deichrutschung im Bereich der Havelmündung bei Quitzöbel stabilisieren. Sie verhinderten damit ein flutartiges Eindringen von Wassermassen der Elbe in die Prignitz und das Havelland.

Im Süden sanken die Wasserstände unterdessen weiter. Lediglich in Cottbus blieb der Wasserstand hoch, weil aus der Talsperre Spremberg zur Entlastung weiter größere Wassermengen abgegeben werden mussten. Hunderte Helfer mussten an Schwarzer Elster und Elbe immer wieder wegen Problemstellen an den Deichen eingreifen. In Mühlberg unterschritt der Wasserstand am Nachmittag erstmals wieder die Neun-Meter-Marke und lag am Abend (18.00 Uhr) bei 8,93 Meter mit weiter fallender Tendenz. Die Hochwasseralarmstufe 4 hat aber weiter Gültigkeit.

Die Landkreise werden umfangreich mit Material aus dem Landeskatastrophenschutzlager in Beeskow unterstützt. Mittlerweile wurden 1,87 Millionen Sandsäcke und 283 Big Bags für die Verlastung von Sandsäcken per Hubschrauber sowie Vlies und Folien zur Deichabdeckung angefordert. Außerdem wurden 738 Betten für Einsatzkräfte und Notunterkünfte bereitgestellt. Sie kamen aus Beständen der Bundeswehr und des Landeslagers. Der Landesbetrieb Forst liefert fast 2.200 Faschinen. Diese Reisig- oder Strauchbündel können das Rutschen von Erdmassen an Hängen verhindern und werden deshalb auch zur Stabilisierung von Deichanlagen verwendet.

Aktuelle Informationen zur Hochwasserlage unter www.internetwache.brandenburg.de/hochwasser

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Hochwasserlage im Nordwesten spitzt sich nochmals zu

Verantwortlich: Ingo Decker

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